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Leben im Slum

Millionen Menschen in Manila leben nicht in Wohnungen, sondern in dicht gedrängten Behausungen aus Wellblech und Holzresten, oft direkt an Flüssen, Bahngleisen oder auf früheren Müllhalden. Das Leben im Slum ist geprägt von improvisierten Lösungen für Dinge, die anderswo selbstverständlich sind: sauberes Wasser, Strom, ein Dach, das dem nächsten Sturm standhält. Wer diese Viertel zum ersten Mal besucht, ist meist überrascht, wie eng Wohnraum, Arbeitsplatz und öffentlicher Raum hier ineinander übergehen, da schlicht kein Platz für klare Trennlinien bleibt. Im Folgenden geht es darum, wie diese Viertel entstanden sind, mit welchen alltäglichen Problemen die Menschen dort konfrontiert sind und welche Ansätze es zur Verbesserung der Lage gibt.

Wie sehen Slums in Manila aus?

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen lebt weltweit etwa ein Viertel der städtischen Bevölkerung in slumartigen Verhältnissen, mit steigender Tendenz. In Manila trifft das auf einen ähnlich hohen Anteil der rund zwölf Millionen Einwohner der Metropolregion zu, die offiziell als „informelle Siedler“ gelten, also ohne gesicherten Rechtsanspruch auf dem Grund leben, auf dem ihre Behausung steht. Diese rechtliche Unsicherheit bedeutet auch, dass Familien jederzeit mit einer Räumung rechnen müssen, etwa wenn ein Grundstück für ein neues Bauprojekt benötigt wird.

Tondo und Baseco als größte Armenviertel

Die bekanntesten und größten Armenviertel der Stadt liegen im Bezirk Tondo, darunter die Siedlung Baseco direkt am Hafen. Allein in diesem Gebiet leben Schätzungen zufolge rund 750.000 Menschen auf einer Fläche von kaum neun Quadratkilometern, was Tondo zu einer der dichtesten informellen Siedlungen weltweit macht. Im sogenannten Baseco Compound selbst wohnen rund 150.000 Menschen, von denen jedoch nur etwa 60.000 offiziell als Bürger registriert sind. Viele kamen ursprünglich auf der Suche nach Arbeit in die Stadt oder wurden durch frühere Bauprojekte an anderer Stelle verdrängt. Historisch reicht die Entwicklung dieser Siedlungen bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück, seither wuchsen sie durch Zuwanderung vom Land und hohe Geburtenraten stetig weiter.

Womit kämpfen die Menschen im Alltag?

Der Alltag im Slum bedeutet vor allem eines: ständigen Improvisationsdruck bei Dingen, die eigentlich zur Grundversorgung gehören sollten. Öffentliche Wasserleitungen reichen oft nur bis an den Rand der Siedlungen, der Weg von dort ins eigene Zuhause muss privat organisiert werden.

Fehlender Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen

Zu den größten alltäglichen Herausforderungen zählen unter anderem:

  • Wasserzugang über private Schläuche, für die die Bewohner umgerechnet mehrere Cent pro Meter zahlen müssen
  • Fehlende feste Wasseranschlüsse, weshalb manche Familien Trinkwasser literweise von Händlern kaufen
  • Unzureichende oder fehlende sanitäre Einrichtungen und Abwassersysteme
  • Unregelmäßige oder informell angezapfte Stromversorgung mit entsprechenden Sicherheitsrisiken

Diese Mängel wirken sich unmittelbar auf die Gesundheit aus: Eine Untersuchung von UNICEF ergab, dass Sterblichkeitsraten und Einschulungsquoten bei den ärmsten Stadtkindern teilweise schlechter ausfallen als bei Kindern in ländlichen Regionen, obwohl die Stadt eigentlich näher an Krankenhäusern, Schulen und Behörden liegt. Der erwartete Standortvorteil der Stadt kommt bei den Ärmsten also oft gar nicht an. Hinzu kommt, dass viele Behausungen so dicht aneinandergebaut sind, dass sich Krankheiten schnell ausbreiten und Brände sich innerhalb kürzester Zeit über ganze Straßenzüge ausdehnen können.

Einkommen unter schwierigen Bedingungen

Einkommen wird in den Slums meist informell erzielt, häufig über das Sammeln und Sortieren von recycelbarem Müll. Metro Manila produziert täglich mehrere tausend Tonnen Abfall, und ein Teil der Bevölkerung lebt direkt davon, diesen Abfall zu sortieren und weiterzuverkaufen, was zwar ein Einkommen sichert, aber auch erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringt. Andere Bewohner arbeiten als Tagelöhner, in kleinen Straßenständen oder in einfachen Dienstleistungsberufen, meist ohne feste Anstellung oder soziale Absicherung. Ein fester Monatslohn ist für viele Familien die Ausnahme, sodass sich der Alltag oft von Tag zu Tag neu organisiert, je nachdem, welche Einnahmen sich gerade ergeben.

Welche Ansätze gibt es zur Verbesserung der Lage?

Angesichts der schieren Größe der Herausforderung setzen sowohl die Stadtverwaltung als auch zahlreiche Hilfsorganisationen auf unterschiedliche, sich ergänzende Ansätze, um die Lebensbedingungen zumindest schrittweise zu verbessern.

Wohnprojekte und langfristige Unterstützung

Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen unter anderem:

  • Bau einfacher, aber fest verbauter Wohneinheiten für besonders bedürftige Familien
  • Verbesserung der Wasserinfrastruktur, damit weniger Menschen auf teure private Schläuche angewiesen sind
  • Bildungs- und Gesundheitsprogramme direkt in den betroffenen Stadtvierteln
  • Unterstützung bei der offiziellen Registrierung, um Zugang zu staatlichen Leistungen zu ermöglichen

So wurden etwa in Baseco im Rahmen eines städtischen Wohnprojekts mehrere hundert kleine, aber feste Wohneinheiten an bedürftige Familien übergeben, jede mit eigenem Schlafzimmer, Küche und Toilette. Solche staatlichen Projekte werden häufig durch die Arbeit von Hilfsorganisationen ergänzt, die vor Ort direkt mit den Familien zusammenarbeiten, etwa bei der Gesundheitsversorgung von Kindern oder der Unterstützung beim Schulbesuch. Diese Kombination aus baulicher Verbesserung und sozialer Begleitung erweist sich in der Praxis meist als deutlich wirksamer als rein infrastrukturelle Maßnahmen allein.

Solche Projekte bleiben angesichts der schieren Zahl betroffener Menschen zwar nur ein kleiner Schritt, zeigen aber, dass sich die Lebensbedingungen im Slum mit gezielter, langfristiger Arbeit tatsächlich verbessern lassen, auch wenn der Weg zu einer echten Lösung des Problems noch weit ist. Jede einzelne Verbesserung, sei es ein fester Wasseranschluss oder ein sicherer Wohnraum, macht dabei für die betroffenen Familien einen spürbaren, konkreten Unterschied im Alltag.